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Dieses Thema hat 0 Antworten
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 Philosophische Themen
Gast
Beiträge:

23.05.2006 15:30
Gedanken zum Thema Wahrheit Antworten
Wir glauben: Das, was immer war ist wahr!

Dabei bedeutet dies nur:

Etwas hat sich im Rahmen der Evolution und der menschlichen Traditionen als hilfreiches ordnendes System bewährt.

Nun habe ich den Begriff Evolution verwendet – ich verwende dieses Wort allerdings ohne den Glauben an das damit assoziierte Prinzip – eigentlich verwenden wir Begriffe immer, genau- und nur deshalb, weil wir uns dabei mittels eines Wortes die Bezugnahme auf ein Ordnungssystem ermöglichen wollen, ohne es jedes Mal neu beschreiben zu müssen.

Wie bei allen Begrifflichkeiten kann uns auch beim Begriff Evolution stets bewusst sein, dass es sich dabei keineswegs um ein wirklich existierendes Prinzip handelt - Evolution ist, wie alles was wir über die Wirklichkeit zu wissen glauben, eine Idee, ein Konstrukt des menschlichen Geistes. Hinter jedem Konstrukt stecken, hinein bis in die tiefsten Tiefen der Naturwissenschaften, Glaubensansätze - sogenannte Axiome, bzw. Systeme von Glaubensansätzen und nur dem Menschen entsprechende geistige Systematiken wie Logik, Kausalität, Affinität, Symbolik etc.

Alle Versuch, hinter die Wand der Axiome und Glaubensansätze zu treten scheiterten oder endeten in Religionen und Wissenschaften.

Mit Hilfe von Konstrukten über die Wirklichkeit und den dazu notwendigen Glaubensansätzen verstecken wir unsere Angst vor der Wirklichkeit gewissermaßen vor uns selbst.

Bei diesem Ansatz ergibt sich unter anderem die Fragestellung wie den die Wirklichkeit beschaffen sein müsse, dass wir so viele Mühe in Konstrukte und Glaubensansätze stecken, um die Wahrheit vor uns zu fern zu halten.

Verfolgen wir diese Spur, kommen wir vermutlich dort an, wo jeder ernsthaft forschende und/ oder meditierende Mensch ankommen wird – im Nichts.

Hinter all unseren Glaubenssystemen, angefangen bei den Konstrukten der Naturwissenschaften, über die Vorstellungen von Esoterik, Reinkarnationstherapie und der Pränatal- & Past Life Integration, bis hin zu den Glaubenssystemen der Religionen gibt es nichts absolut Wirkliches.

Jetzt kann man natürlich die Frage stellen, weshalb soviel Angst vor dem Nichts, wenn es doch Nichts ist?

Zum einen liegt die Schlussfolgerung nahe, dass wenn es nichts Wirkliches gibt, alles gewissermaßen virtuell sein muss – mit der Vorstellung virtuell bzw. Nichts zu sein hat natürlich jede normal entwickelte Ego-Struktur ein Problem und kreiert verschiedenste pseudoabsolute Macht-, Wissenschafts- und Glaubensstrukturen, um den Selbstwert zu erhalten.

Zum anderen finden wir wesentliche Einflüsse an unseren gewohnten Denk-Mustern welche durch das, was wir Evolution nennen immer wieder bestätigt wurden.

Diese Muster laufen in etwa folgendermaßen ab:

1. Da gibt es etwas, worüber ich nichts weiß, worüber keine eigenen, oder traditionelle Erfahrungswerte vorliegen
2. Etwas, worüber ich nichts weiß könnte gefährlich sein (Evolutionsbestimmte Erfahrungen...)
3. Mutige gehen in die Erfahrung... - kommt der Mutige nicht als Held, oder Religionsstifter zurück, folgt vielleicht ein weiterer Mutiger, oder man projiziere eine Vermutung auf das, worüber man nichts weiß. Dann vergeht Zeit, in der die Projektionen mit den Ergebnissen verglichen werden...
4. Bei widersprüchlichen Ergebnissen bleibt die Ungewissheit, dabei verstärkt sich die Angst und man beginnt wieder mit Ansatz 2.
5. Bei wiederholten Bestätigungen folgt daraus der Glaube, dass die Projektion wahr ist (auf einer Metaebene auch, dass das Denk- und Verhaltens-Muster richtig und gut ist...)- die Ängste schwächen sich, aufgrund von Vorhersagbarkeiten ab, selbst wenn die Inhalte der Projektionen schrecklich sind...

Bei dem Thema „Wirklichkeit = Nichts“ bekommet, wie schon beschrieben, die normal entwickelte Egostruktur ernsthafte Probleme, da eine Projektion auf das Nichts niemals zu einem Widerspruch oder zu einer Bestätigung führen wird. Zwar bedeutet dies, dass die Angst im Grunde keine Basis hat; aber diese geistige Leistung ist dem traditionell handelnden, angstbestimmten, nicht meditierenden, egozentrierten Menschen in der Regel nicht möglich.

Der Abgang der Mutigen, den es bei ernsthaften Fragestellungen immer geben wird, bescheren den Zurückgebliebenen noch mehr Ängste, wodurch im Falle der Frage nach der Wirklichkeit das Nichts mit den existenziellen Ängsten der Menschen in Resonanz tritt. So verstärken sich die Ängste und die empirischen Muster der traditionellen Problemlösung laufen weiter.

Wechselt man nun die Perspektive und betrachtet man dies aus der Sicht der Evolution muss sich die Aufmerksamkeit der Menschen wieder dem Alltag zuwenden. Religionsstifter und sonstige „Evolutionsagenten“, wie Wissenschaftler und Kriegsherren müssen zum Zuge kommen und bekommen dann zu diesem Zweck die Macht von den Ängstlichen... Der Vorteil für die Evolution – Verstorbene und Glaubende hinterfragen keine unlösbaren Dinge – der gläubige Mensch steckt seine Energie und Aufmerksamkeit wieder in den Alltag - die Produktion, die Zeugung und Versorgung der Nachkommen läuft weiter.

Es heißt an mancher Stelle in heiligen Schriften sinngemäß: „...Ihr sollt Euch kein Bild von mir machen...“ – ist dies etwa gleichbedeutend mit der Aussage: „Vermeidet es, Etwas auf das Nichts zu projizieren, da dabei nur Konstrukte herauskommen können, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben!“

Also mein Ansatz für das Heil-Sein bzw. für das heil Werden:

Sich der Angst vor dem Nichts stellen, Glaubensansätze, gewohnte Verhaltens- und Denkmuster immer wieder in Frage stellen!

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